Tagebuch Mädchen Liebesbriefe

Biographie


Vor allem die letzten 5 Jahre haben mich deutlich geprägt & zu dem gemacht, was ich heute bin. Ich möchte versuchen mir alles einfach mal von der Seele zu schreiben, da ich nie etwas davon wirklich verarbeiten konnte.

Meine Eltern haben sich noch vor meiner Geburt getrennt. Ich war ein Unfall. „Eigentlich wärst du nicht hier. Ich hatte schon ein Beratungsgespräch & stand in Holland vor der Arztpraxis, um dich abtreiben zu lassen.“ Sollte ich nun etwa dankbar sein?

August 2003:

Mein Vater rief an, um mir zu meinem 11. Geburtstag zu gratulieren. Wir hatten uns lange nicht mehr gesehen & nur sehr selten telefoniert. Das war die Zeit, in der er an Lymphdrüsenkrebs erkrankte. Meine Mutter hatte immer wieder auf mich eingeredet. Wieso solle ich zu ihm gehen, wenn er sich nicht mehr um mich kümmert? Ja, das Wort ‚kümmern‘ setzte meine Mutter mit Geld gleich. Er konnte keinen Unterhalt mehr zahlen. Durch die Krankheit war er nicht mehr in der Lage zu arbeiten. Das war meiner Mutter allerdings egal. Ich, als kleines naives Kind, habe alles, was meine Mutter gesagt hat, geglaubt. Der Kontakt zu meinem Vater brach ab.

Frühling 2005:

Ich kam mit meinem ersten Freund zusammen. Die erster große Liebe, die erste große Enttäuschung. Aber es war eine sehr schöne Zeit & ich bereue keine Sekunde. Mit ihm habe ich meine ersten Erfahrungen gemacht. Er war der Richtige. Zu der Zeit kriselte es immer wieder zwischen meiner Mutter & mir. Ich wollte mir nicht länger alles gefallen & die Worte in den Mund legen lassen.


Sommerferien 2006:

Die wohl entscheidendste Zeit in meinem bisherigen Leben. Am letzten Schultag vor den Sommerferien bekam ich eine SMS. „Ich liebe dich nicht mehr. [..]“ 14 Monate mit einem Schlag vorbei. Mit meinen zarten 13 Jahren habe ich versucht zu kämpfen, wie es vielleicht sogar manch Erwachsener nicht tut. Ich konnte nicht loslassen, ich wollte nicht. Er hat mir all die Zuneigung & Liebe gegeben, die ich sonst nie bekommen habe. Nicht einmal von meiner eigenen Mutter. Aber ich kämpfte vergebens.

Ein paar Tage später. Ich war draußen & habe zwei Jungs aus der Nachbarschaft getroffen. So geriet ich in den falschen Freundeskreis. Es fing alles ganz harmlos an. Ich habe öfters mit einen von den beiden Jungs geschrieben & wir haben uns irgendwann auch getroffen. Mir war von Anfang an klar, was er von mir will. Ich war für ihn eine von vielen, aber er hat mir gegeben was ich brauchte. Zuneigung. Geschlafen habe ich aber nie mit ihm.

Irgendwann fing ich - aus welchen Gründen auch immer - was mit seinem besten Freund an. Es tat gut begehrt zu werden. Ich konnte den Schmerz, der noch tief in mir tobte, für kurze Augenblicke vergessen.

Es kam, wie es kommen musste. Alkohol & Drogen spielten auch bei mir eine große Rolle. Der erste Joint ließ nicht lange auf sich warten. War es der Reiz des Verbotenen oder der Drang die Leere in mir zu verdrängen? Ich weiß es nicht. Bei täglichem Alkohol- & Cannabiskonsum blieb irgendwann die erhoffte Wirkung auf der Strecke & schon hatte ich meine erste Line Speed vor mir liegen. Es folgte ein Exzess nach dem anderen. Ein Hilfeschrei, den keiner hörte.

Das ging gut ein Jahr so.  Zwischenzeitlich bin ich von zu Hause abgehauen, habe angefangen mich selbst zu verletzen .. Ich hatte auch irgendwann wieder einen festen Freund. 5 Monate lang. Der Altersunterschied war zu groß.

Wenn du so weiter machst, musst du die 8. Klasse wiederholen.“, die Worte eines sehr besorgten Klassenlehrers. Aus Frust & Verzweiflung stürzte ich mich dennoch immer wieder in die Drogen. Mir war nicht klar, was ich tue. Bis zu einem Tag. Ich habe es maßlos übertrieben. Ich weiß nicht mehr, wie viel ich an Alkohol & Drogen konsumiert habe, aber ich habe einen richtig extremen Absturz geschoben. Am nächsten Tag, als die Wirkung endlich nachließ, quälten mich Entzugserscheinungen. Ich bin zu weit gegangen. Aber es war zu spät.


Sommer 2007:

Ich habe die Kurve gekriegt. Neue Klasse, neues Glück. Ich wollte von vorne anfangen. Hier & da hatte ich mal wieder einen Freund, nichts großes. Irgendwie hing ich immer noch sehr an meiner ersten großen Liebe. Meine Noten wurden besser, aber das Leben zu Hause war wie eh & je. Ich blieb stark.


2008:

Die Schule schaltete sich ein. Lehrergespräch - meine Mutter, Schulleitung, Klassenlehrerin & ich. Nicht wegen mir, nein. Sondern wegen meiner Mutter. Ich bin zu einer Jugendberatungsstelle gegangen, weil ich es nicht mehr zu Hause ausgehalten habe. Diese ständigen Demütigungen, der ganze Stress. Ich war psychisch total labil - Burn Out. Gedankenschnitt.

Ich konnte wieder leben. So richtig. Er gab mir Kraft. Es tat unglaublich gut, wieder geliebt zu werden.

Er war, oder ist auch heute immer noch, ein wundervoller Mann. Auf der einen Seite ein Kumpel, mit dem man Pferde stehlen kann, auf der anderen Seite  ein verständnisvoller & ehrlicher Partner. Dazu noch verdammt gutaussehend. Perfekt, könnte man meinen.

Guck mal, die sieht total geil aus.“ Ein Schlag in die Fresse. Es kamen  immer wieder solche Sprüche. Ihm war anscheinend nicht ganz klar, was er damit in mir zerstört. Aber er wusste ganz genau, dass ich mit meinem Selbstwertgefühl zu kämpfen habe. Ab dem Tag hat sich vieles in unserer Beziehung verändert. Sex hatten wir nur noch selten & wenn, dann konnte ich nie wirklich abschalten. Das Schlimme daran war, dass ich mir neben ihm sowieso wie ein fettes Schwein vorkam. Diese Worte haben sich in meinen Kopf gebrannt. Der Weg in den Magerwahn begann.


Oktober 2009:

Die Beziehung ging nach 14 Monaten in die Brüche. Es kam immer wieder zum Streit, weil ich mich nicht mehr begehrt gefühlt habe. Jede Kleinigkeit machte ich ihm zum Verhängnis.

Ein halbes Jahr zog an mir vorbei. Isoliert von der Außenwelt. Teilweise. Ich fiel in alte Muster, holte mir die Bestätigung bei anderen - mittlerweile waren es 8, mit denen ich geschlafen habe - & ging wieder auf Partys; den Schmerz mit Drogen betäubt.

***

Nun sitze ich hier. Geprägt von Demütigungen, die bis heute nicht aufgehört haben, Drogenkonsum & dem Wunsch endlich bedingungslos so geliebt zu werden, wie ich bin, möchte ich endlich ein neues Leben beginnen. Ein besseres Leben. & ihr könnt mich auf diesem Weg begleiten.
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